aus: Lüdinghausener Zeitung - 05.02.1994

Die Geometrie aufgebrochen

Familie Scherler stiftete Fenster für Gemeindezentrum

Lüdinghausen (west) Nüchtern, sachlich, streng  - so wurde zu Beginn der 70er Jahre gebaut. Rechte Winkel, flache Dächer, weiß gestriche-ne Wände waren oft Stan-dard. Das evangelische Ge- meindezentrum am Stepha-nusweg ist ein gutes Beispiel für diesen Stil. In der Vergan-genheit wurde schon mehr-fach versucht, mehr "Wärme" in das Zentrum zu bringen. Spätestens mit der Neuvergla-sung eines Teil des Eingangs- bereiches werden diese An-strengungen deutlich. Der Fa-milie Scherler ist es zu ver-danken, daß der nüchterne Eingangsbereich durch eine Bleiverglasung optisch aufge-lockert wurde. Der Entwurf stammt von    Ulrich Linhoff, die handwerkliche Ausfüh-rung wurde vom Glasermei-ster Jochen Hanholz über-nommen. Wilhelm Scherler war viele Jahre eng mit der Kirchenge-meinde und dem Presbyteri-um verbunden. In den ver-gangenen Jahren bekleidete er das Amt des Kirchmeisters. Wilhelm Scherler hatte auch großen Anteil am Neubau des Gemeindezentrums, das übri-gens vor 20 Jahren eingeweiht wurde. Vor einem Jahr starb Wilhelm Scherler, seine Frau Ursula nahm danach die Schenkung, die aus Kirchen-mitteln nicht hatte finanziert werden können, in die Hand.
Bereits in den vergangenen Jahren ist Ulrich Linhoff mehrfach gestaltend für die evangelische Kirchengemein-de aktiv gewesen. Beispiels- weise das Relief auf der Glocke wurde von ihm entworfen. Die bisherige Verglasung im Eingangsbereich wurde durch ihre fünfgliedrige senkrechte Anordnung geprägt. Bei der
Neugestaltung der Flächen versuchte Linhoff diese geo-metrischen Formen durch eine diagonale Gliederung aufzureißen. Gleichzeitig ist in den bunten Strukturen eine Formveränderung zu erken-nen: Die im unteren Bereich des Bildes dominierenden runden Formen laufen nach oben spitzer zu, wobei sich gleichzeitig die Farben verän-dern - warme Töne unten, kalte und klare oben. Noch ist das dreifachverglaste Fen-ster nicht komplett. Ein fünf-tes Element, das eigentlich nicht zum Fenster sondern zum Portal gehört, von innen jedoch als solchiges nicht zu erkennen ist, soll in das Gesamtwerk noch integriert werden. An die neue Gestal-tung sollen auch das Kreuz im Altarraum, die Leuchter und das Taufbecken ange-paßt werden.