Lüdinghausen (west). Am heiligen Abend läutet die evangelische
Kirchengenge-meinde ein neues Kapitel ihrer Geschichte ein.
Und das ist wörtlich zu nehmen, denn am kommenden Sonntag
wird die neue Glocke die Gemeindemitglieder erstmals zum
Gottesdienst rufen. Un-ter großer Beteiligung der Gemeinde war
die Glocke am Samstag morgen im Turm installiert worden. Trotz
schneidender Kälte hatten viele Gemeindemitglieder den Weg zur
Klosterstraße gefun-den, um diesem historischen Augenblick beizuwohnen.
"Ich will Euch ein ein-trächtig Herz geben und ei-nen neuen Geist
in Euch geben." Mit dieser Inschrift auf der neuen Glocke, bei der es
sich um ein Zitat aus dem Alten Testament (Ezechiel) handelt, wird ein
Bogen zur Vergangenheit geschlagen. Die erste Glocke, die in der evangelischen
Kirche die Gläubigen zum Gottesdienst rief, trug nämlich den Namen "Eintracht".
Der Name war allerdings kein Programm, denn die 1859 gegossene Glocke wurde
während des Ersten Weltkrieges einge-schmolzen und für die Kano-nenproduktion verwendet.
Die Inschriften auf der neu-en Glocke bilden einen klei-nen geschichtlichen
Rückblick. Sie erinnern nicht nur an die erste Glocke - alleine schon
durch das Wappen der Stifter. Die Kirche war vor über 140 Jahren von Graf
Bodelschwingh-Plettenberg gebaut worden. Es wird auch auf den Guß einer
Ersatzglok-ke im Jahre 1928 verwiesen und auf die Leihglocke aus Groß-Zarnow,
die 1951 in-stalliert wurde. Diese Glocke brachte bekanntlich das Rad der
Geschichte in Schwung. Die ehemaligen Bürger aus dem Kreis Pyritz, das im
heu-tigen Polen liegt, treffen sich regelmäßig in Korbach. Von ihnen wurde
der Wunsch geäußert, die Glocke in der Patenstadt des "Weizsäcker-kreises Pyritz"
zu installie-ren. Nach langer Diskussion in der Gemeinde wurde die-sem Wunsch
auch entspro-chen. Bereits im Frühjahr wurde die Pyritzer Glocke an die Patengemeinde in Kor-
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| Mit einem Falschenzug wurde die neue Glocke an ihre endgültige Position bugsiert
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bach weitergegeben. Von dort kam jetzt die neue Glok-ke für die
evangelische Kir-che in Lüdinghausen. Der Weizsäckerkreis hatte schließ-lich die
Finanzierung über-nommen. Das Wappen dieser Stifter wurde ebenfalls auf der
Glocke verewigt. Die Ge-staltung hatte übrigens Ul-rich Linhoff übernommen. Er
dürfte damit zum Haus-Desi-gner der Kirchengemeinde avancieren: Linhoff gestaltete
auch die Glocke im Gemein-dezentrum und das dortige Glasfenster im Eingangsbe-reich
stammt ebenfalls aus seinem Atelier.
Die Installation der Glocke ging am Samstag morgen recht unspektakulär über die
Bühne, Zimmermeister Alois Kemmann und seine Mitar-beiter haben in diesen Dingen
bereits reichlich Erfahrung gesammelt. Sie hatten nicht nur die Pyritzer Glocke
aus-gebaut. Auch in anderen Ge-meinden wurden von ihnen
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schon Glocken installiert. Auch am Samstag war die Installation fast
eine Routine-arbeit: Das sieben Zentner schwere Geläut aus einer spe-ziellen Bronze-Legierung,
über deren Zusammenset-zung sich der Hersteller aus-schweigt, wurde innerhalb weniger
Minuten von einem Autokran durch das Dach der Kirche auf das Gewölbe her-abgelassen.
Von dort aus bewegten die Kemmann-Mit-arbeiter den Koloß mit Rollbrettern zum Turm.
Der Rest wurde mit einem Flaschenzug erledigt.
Noch in weiterer Hinsicht schließt sich der Bogen der Geschichte. Die neue Glocke
wurde von der Firma Rincker in Sinn bei Dillenburg gegos-sen. Dieses Traditionsunter-nehmen
wurde bereits zwei-mal für die evangelische Kir-chengemeinde in Lüdinghau-sen tätig:
Auch die ersten beiden Glocken wurden dort gegossen.
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